Frau? Mama? Oder wer/was?
- Tatjana

- 13. Jan. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Okt. 2023
Lange habe ich überlegt, ob ich dieses Thema zu Papier bringen möchte, und bin schlussendlich zu dem Entschluss gekommen, dass es in (m)einem Mama-Blog nicht fehlen darf.
Wir alle wissen wie Babys gemacht werden und alle tun es. Häufigkeit steigend und fallend – je nach Alter und ob Single oder in Beziehung (und auch da kommt es auf den/die Partner/in an bzw. die Chemie dazwischen, so finde ich). Das war auch bei mir und meinem Freund so. Diese Chemie und diese Verbindung, die zwischen uns besteht, hatten wir vom ersten Moment an, als wir uns im Teenager-Alter kennengelernt haben. JA, wir kennen uns schon ewig, haben’s aber damals so richtig verkackt und erst in den 30igern – nach 10-jähriger Funkstille – wieder zueinander gefunden. Aber das ist eine andere Geschichte ;-)
Das vorausgeschickt, konnte ich mir während meiner Schwangerschaft – wo der Sex noch mehr Spaß machte, denn unter anderem fällt die Angst schwanger zu werden weg; der zunehmend größere Bauch wird zwar gegen Ende hin ein bisschen hinderlich, aber auch da gibt’s Lösungen – nicht vorstellen, dass sich unser Sexleben jemals ändern würde/könnte. Klar war ich nicht so naiv und wusste, dass sich mit Baby alles ändert und es bestimmt auch die Zweisamkeit beeinflusst, gleichzeitig war mir das Ausmaß dann doch nicht so klar. Direkt nach der Geburt, wird einem ja eine 6-wöchige-Pause auferlegt, die wir auch brav einhielten – auch wenn’s schwer war. Erst nach dem von uns beiden langersehnten „Go“ meiner Gynäkologin konnten wir wieder loslegen und als es dann tatsächlich soweit war, hatte ich plötzlich richtig Schiss. Weg war die Lockerheit & die Vorfreude und ich schob regelrecht Panik. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich das „aushalten“ sollte und wie sich das anfühlen würde. „Schmerzen vorprogrammiert“, dachte ich. Geschweige denn wusste ich noch „wie man das überhaupt macht“. Gedanklich war ich also wieder Jungfrau. Obendrauf kam noch die Verhütung, denn die spielte nun auch wieder eine Rolle – was ein lästiger Nebeneffekt war. Hier habe ich mich für die Hormonspirale entschieden, da ich auf gar keinen Fall Gefahr laufen wollte, erneut schwanger zu werden. Kurzer Exkurs: Ich bedaure diese Entscheidung sehr, denn ca. 4 Monate später ließ ich mir die Spirale wieder entfernen – mehr dazu ein anderes Mal.
Okay, mich plagte also die nackte Angst. Angst, dass ich es verlernt hätte, dass es wehtut, dass das Baby aufwacht, dass ich nicht (mehr) attraktiv sei, dass …. Hier könnte ich noch viele weitere Punkte anführen. Fakt ist, ich hatte keine Ahnung wie es sein würde. Ich war zum ersten Mal Mama geworden, hatte zum ersten Mal ein Kind zur Welt gebracht, also heißt es wohl: Probieren geht über Studieren! Und siehe da: Es klappte. Irgendwie anders als ich es kannte, aber nicht schlecht und es wurde von Mal zu Mal besser! Nach und nach fühlte ich mich auch immer wohler in meinem Körper und lernte zu akzeptieren, dass es sich nicht mehr um denselben Körper handelte, sondern um einen postnatalen Körper – ich war ja auch irgendwie nicht mehr dieselbe und das ist völlig okay so. Zudem fiel es mir oft schwer, vom Mamamodus in den Fraumodus umzuschalten und die Gedanken an das Kind oder den Haushalt beiseitezuschieben.
Jetzt, etwa 11 Monate nach der Geburt, kann ich sagen, dass es nicht immer einfach ist, sich Zeit zu zweit zu nehmen und die Zärtlichkeit zueinander im Alltag oftmals zu kurz kommt. Nicht nur der Sex ist mit Kind schwierig, sondern auch die Nähe, das Kuscheln, das Küssen. Manchmal ist es harte Arbeit, dass genau diese Dinge nicht auf der Strecke bleiben. Sich bewusst Zeit dafür zu nehmen ist enorm wichtig und wir haben gelernt, dass wir uns diese Zeit nehmen! Klar, gibt es manchmal stressigere Zeiten, wo wir weniger zu zweit sein können, und dann gibt es Wochen, die wieder mehr Raum für Zweisamkeit zulassen. Auch wenn einige Stolpersteine nach der Geburt hinter uns liegen, vor allem die Phase, wo ich die Hormonspirale hatte und die sexuelle Lust gleich 0 war (als hätte man bei mir einen Stecker rausgezogen...), so haben wir doch einen Weg gefunden, wie wir gleichzeitig Paar und Eltern sein können.
Mental war es für mich eine große Herausforderung wieder zu mir und meinem Körper zu finden. Um ganz ehrlich zu sein, auch nach 11 Monaten habe ich das immer noch nicht ganz geschafft, denn manchmal kommen Zweifel über meine Attraktivität, mein Frau-sein, meine zum Teil noch festsitzenden Schwangerschaftskilos, doch gleichzeitig kümmere ich mich jeden Tag um mich und finde einen Weg zu mir und meinem Körper. Ich nehme mich an so wie ich bin: Ich bin Frau und Mama!






